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# Energiemanagement und Speicher
Ein Batteriespeicher mit 15 kWh Bruttokapazität (13,2 kWh nutzbar), eine kleine Photovoltaikanlage und ein dynamischer Stromtarif, dessen Preis sich viertelstündlich ändert. Die Aufgabe: **Netzbezug in die günstigen Stunden verschieben** – und nur dann laden, wenn es sich nach Abzug der Speicherverluste tatsächlich rechnet.
Optimiert wird auf **Eigenverbrauch**, nicht auf Einspeisevergütung.
## Die Schwelle ist gerechnet, nicht geschätzt
Jedes Laden kostet Wirkungsgrad. Wie viel genau, wurde nicht aus dem Datenblatt übernommen, sondern **über 597 kWh eigener Lade- und Entladevorgänge gemessen**: 77,9 % Round-Trip-Wirkungsgrad.
Daraus folgt der Break-Even unmittelbar. Wird der gespeicherte Strom später zu 33 ct verbraucht, darf er höchstens **25,7 ct** im Einkauf gekostet haben. Die Steuerung arbeitet mit 23,7 ct – zwei Cent Sicherheitspuffer.
## Die wichtigste Einsicht: Der Break-Even gilt nur fürs Laden
Naheliegend wäre, dieselbe Schwelle auch fürs Entladen anzuwenden – also den Speicher zu schonen, wenn der Netzpreis niedrig ist.
Das ist falsch. **Ist der Speicher gefüllt, sind die Ladekosten versenkt.** Sie fallen nicht noch einmal an, egal wie man sich entscheidet. Entladen ist dann fast immer günstiger als Netzbezug, unabhängig davon, was das Laden gekostet hat.
Deshalb sind die beiden Entscheidungen bewusst getrennt: Laden folgt dem gerechneten Break-Even, Entladen folgt allein dem aktuellen Preisniveau. Diese Unterscheidung war das wertvollste Ergebnis der gesamten Auswertung.
## Was die Praxis gelehrt hat
**Schwellenwerte aus Daten statt aus dem Bauchgefühl.**
Ursprünglich galt jeder negative Netzbezug als Photovoltaik-Überschuss und löste eine Umschaltung aus. Die Auswertung von **50.000 Messwerten** zeigte, warum das nicht funktionierte: 70 % aller Werte liegen im Rauschband von ±50 W, und 68 % der negativen Werte waren kleiner als −50 W – also gar kein Überschuss, sondern Messrauschen.
Neue Regel: −100 W, zwei Minuten stabil. Das beseitigte etwa **74 % der Fehlauslösungen**. Bewusst nicht schärfer eingestellt – jede weitere Verschärfung hätte Reaktionszeit gekostet.
**Die Dokumentation beschrieb etwas, das die Anlage nicht tat.**
Beschrieben war eine Steuerung nach Preisniveaus. Tatsächlich arbeitete die Automation mit einem einzelnen festen Schwellenwert. Korrigiert wurde **die Automation**, nicht die Beschreibung – denn die Beschreibung war die bessere Idee.
**Eine Schutzfunktion sabotierte eine andere.**
Ein Batteriespeicher führt gelegentlich einen Zellausgleich durch und lädt dazu gezielt voll. Die Preissteuerung unterband genau das, weil der Strom in dem Moment zu teuer war – der Ausgleich brach ab.
Die Lösung nimmt **nur die gerade ausgleichende Batterie** von der Preisregel aus, nicht den ganzen Speicher. Ein globaler Abbruch wäre einfacher gewesen und hätte zwei von drei Speichern unnötig stillgelegt.
**Ein Wächter darf nicht von dem abhängen, was er überwacht.**
Nachts setzt die Regelung gelegentlich aus, und der Verbrauch geht ans Netz statt an den Speicher. **Die Ursache ist bis heute ungeklärt.** Bis sie gefunden ist, meldet eine Überwachung jeden längeren nächtlichen Netzbezug.
Entscheidend an deren Bauart: Sie verwendet **ausschließlich** den Messwert des Netzanschlusses und keine einzige Größe aus der Regelung. Ein Wächter, der von dem System abhängt, das er überwacht, fällt mit ihm gemeinsam aus – und schweigt genau dann, wenn es darauf ankäme.
**Aus einem Zahlendreher wurde eine eingebaute Sperre.**
Über längere Zeit stand in mehreren Notizen eine falsche Speicherkapazität – aus einer nutzbaren Gesamtkapazität war versehentlich eine Einzelkapazität geworden, und damit fast der dreifache Wert. Korrigiert wurde nicht nur die Zahl: Die Erzeugung der Dokumentation **bricht seitdem ab**, wenn die falschen Werte darin auftauchen. Ein Fehler, den man einmal gemacht hat, sollte sich nicht ein zweites Mal einschleichen können.
**Ein Eigenbau, der nie scharf geschaltet wurde.**
Eine selbst entwickelte Ablaufsteuerung lief monatelang – ausschließlich im Testmodus, also protokollierend statt steuernd. Sie wurde später durch eine ausgereifte fremde Lösung ersetzt.
Wertlos war sie nicht: Sie hat das Konzept validiert und die Datengrundlage geliefert, auf der die heutigen Schwellenwerte beruhen. Aber sie als produktive Steuerung auszugeben, wäre gelogen.
## Was dabei herauskommt
Aus 34 Tagen Betrieb:
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Photovoltaik-Ertrag im Mittel | 8,86 kWh/Tag |
| verbleibender Netzbedarf | 1,42 kWh/Tag |
| Ladezeit aus dem Netz | rund 40 Minuten/Tag |
| **Durchschnittspreis im gewählten Ladefenster** | **21,3 ct/kWh** – deutlich unter dem Break-Even von 25,7 ct |
| Tage ganz ohne Netzbezug | 14 von 34 |
Wie eng das Fenster ist, zeigt die Preisverteilung über 748 ausgewertete Stunden: Nur in **einer von vier Stunden** lag der Preis in der Ladezone, in fast zwei Dritteln der Zeit darüber. Genau deshalb lohnt der Steuerungsaufwand – von allein trifft man diese Stunden nicht.
Nebenbefund aus dem Abgleich mit der Ertragsprognose: Sie **überschätzt den Ertrag systematisch um 15 bis 20 %**. Wer damit plant, ohne den Versatz zu kennen, lädt zu wenig nach.
## Woran wir gerade arbeiten
- Ein bedarfsabhängiger Ziel-Füllgrad statt starrer 100 %: Wie viel Energie wird bis morgen früh wirklich gebraucht, und wie viel davon liefert die Prognose?
- Klärung des nächtlichen Aussetzers
- Eine Wirtschaftlichkeitsrechnung über das Gesamtsystem – die gibt es bislang **nicht**, und ohne belastbare Zahlen wird hier auch keine behauptet
## Was wir daraus mitnehmen
Die Anlage ist der einfache Teil. Der schwierige ist die Entscheidungslogik – und die wird nur dann gut, wenn Schwellenwerte aus **gemessenen** Daten kommen und man bereit ist, eine liebgewonnene Annahme fallenzulassen, sobald die Zahlen dagegen sprechen.
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*Stand: 26.07.2026*
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