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# Anwendungsentwicklung
Mehrere Anwendungen in unterschiedlichen Reifegraden – von produktiv im Netz bis Konzeptphase. Die Entwicklung erfolgt durchgehend KI-gestützt; die Aufgabe liegt in Konzeption, Entscheidung und Prüfung, nicht im Tippen von Code.
Was diese Projekte verbindet, ist weniger die Technik als die Art, Entscheidungen zu treffen und festzuhalten.
## Preisvergleich für Wochenangebote — produktiv
Eine Anwendung sammelt die Wochenangebote der Discounter einer Stadt, rechnet sie auf **Normpreise** um und macht sie damit vergleichbar. Nächtlicher Import, sieben Händler, öffentlich erreichbar.
**Der interessanteste Moment war kein technischer.** Die ursprüngliche Datenquelle war lediglich für den privaten Gebrauch lizenziert – für einen öffentlichen Betrieb also nicht geeignet. Die Anwendung lief bereits. Statt das Problem auszusitzen, wurde eine zweite Ausbaustufe begonnen, die ihre Daten aus frei zugänglichen Prospekten gewinnt.
Eine laufende Anwendung wegen einer **Rechtsfrage** neu aufzubauen, ist unbequem. Die Alternative wäre gewesen, auf fremdem Grund zu bauen und zu hoffen.
Diese zweite Stufe ist **Prototyp, nicht produktiv** – die Verarbeitungskette läuft in Testläufen, der Server ist bewusst abgeschaltet, bis sie fehlerfrei durchläuft.
### Werkzeugwahl durch Messen
Für das Auslesen der Prospekte standen zwei Bibliotheken zur Wahl. Statt zu argumentieren, wurde gemessen:
| | Ergebnis am selben Dokument |
|---|---|
| Werkzeug A | 21 Sekunden **pro Seite**, rund 1 GB Arbeitsspeicher, Abbruch bei 27 Seiten |
| Werkzeug B | 14 Sekunden für **alle 27 Seiten** |
Die Entscheidung fiel damit von selbst. Bemerkenswerter ist, was mit dem Verlierer geschah: Er wurde **nicht entfernt**, sondern als zweite Wahl behalten. Kein Werkzeug ist bei allen Dokumenten gleich gut.
### Aufwand gegen Nutzen
Für die Texterkennung wurde der klassische Weg – Text und Preise über ihre Koordinaten einander zuordnen – nach einer Aufwandsschätzung **verworfen**: zwei bis drei Wochen allein für die Zuordnungslogik. Gewählt wurde stattdessen eine KI-gestützte Bilderkennung, die das Layout versteht und die Angebote direkt strukturiert zurückgibt. Laufende Kosten im Bereich weniger Cent pro Woche.
Die verworfene Untersuchung wurde aufbewahrt, nicht gelöscht – als Rückfalloption, falls sich Kosten oder Nutzungsbedingungen des gewählten Weges ändern.
### Konfiguration gehört in die Datenbank
Suchbegriffe, aktive Händler, Klassifizierungen – nichts davon steht im Programmcode. Alles liegt in der Datenbank und ist über eine Oberfläche im Browser änderbar. Der Unterschied zeigt sich im Alltag: Eine Anpassung braucht keinen Serverzugang und keine neue Programmversion.
## Sprachnotiz-Plattform — Konzeptphase
Sprachnotizen unterwegs aufnehmen, serverseitig transkribieren, automatisch einsortieren, am Rechner korrigieren. Mehrbenutzerfähig, datenschutzkonform.
**Stand: Pflichtenheft in dritter Fassung. Kein Prototyp, kein Code.** Das gehört so gesagt.
Die aufschlussreichste Entscheidung war eine **Korrektur des Entscheidungskriteriums**. Zunächst wurde ein Technologiestapel empfohlen, weil er zur langjährigen eigenen Programmiererfahrung passte. Das wurde verworfen – mit der Begründung, dass die Umsetzung ohnehin KI-gestützt erfolgt und die eigene Vorerfahrung deshalb kein sinnvolles Auswahlkriterium mehr ist. Entschieden wurde neu, rein nach fachlicher Eignung.
Ein aus einer früheren Sitzung vorhandener nativer App-Ansatz wird damit voraussichtlich nicht weiterverwendet. Auch das steht so in den Notizen – abgeschriebene Arbeit gehört dokumentiert, sonst wiederholt man sie.
## Eigene Arbeitsoberfläche — laufendes Projekt
Ein Raster aus zwölf Kacheln als Arbeitsoberfläche: Webanwendungen mit Blick auf ihren aktuellen Zustand, daneben die gerade benötigten Arbeitsordner. Ein Klick vergrößert eine Kachel auf den ganzen Bildschirm.
Bevor eine Zeile Anwendungscode entstand, wurden **die beiden teuersten Fragen durch Wegwerf-Prototypen geklärt**:
1. Lässt sich eine Seite darstellen, die das Einbetten in fremde Rahmen ausdrücklich verbietet – und bleibt sie über einen Neustart angemeldet? *Beides bestätigt.*
2. Lässt sich der Dateimanager des Betriebssystems in eine Kachel einbetten, statt ihn nachzubauen? *Bestätigt, samt Navigation.*
Beide Antworten waren vorher unklar, und beide hätten das Konzept umgeworfen. Sie durch Ausprobieren zu klären hat je einen Nachmittag gekostet – die Alternative wäre gewesen, sie erst nach Wochen Arbeit zu bemerken.
Nebenbei entstand dabei eine Erkenntnis, die den Zuschnitt verändert hat: Eine Anmeldung gehört weder an die Kachel noch an ein Profil, sondern ist ein **eigenes benanntes Ding**, auf das Kacheln verweisen. Erst damit lassen sich zwei Konten desselben Dienstes gleichzeitig offen halten – ein Fall, der im gewöhnlichen Browser nicht lösbar ist.
## Was über die Projekte hinweg gilt
**Entscheidungen bekommen eine eigene Notiz** – mit den geprüften Alternativen und der Begründung. Ein halbes Jahr später weiß niemand mehr, warum etwas verworfen wurde, wenn nur das Ergebnis notiert ist.
**Verworfenes wird aufbewahrt.** Als Rückfalloption oder als historischer Stand mit entsprechendem Vermerk. Gelöschte Alternativen werden zwangsläufig ein zweites Mal untersucht.
**Datenbankschemata werden migriert, nicht überschrieben** – mit Sicherung vor jeder Migration und einem Änderungsverzeichnis im Schema selbst.
**Versionsnummern auf Dateiebene**, mit Datum und Grund der Änderung. Auch im Quellcode, nicht nur in den Dokumenten.
### Was ausdrücklich nicht gilt
„Erst Pflichtenheft, dann Umsetzung" ist **kein durchgängiges Vorgehen**. Ein Projekt ist streng pflichtenheftgetrieben – und bis heute ohne eine Zeile Code. Ein anderes entstand code-first; sein Vorgabendokument entstand erst, als es längst produktiv lief.
Ebenso wenig gibt es eine ausgearbeitete Teststrategie oder automatisierte Testläufe. Die Qualitätssicherung ist fachlich – Plausibilitätsprüfungen der Ergebnisse – nicht formal.
Beides wäre leicht zu behaupten. Es stimmt nur nicht.
## Was wir daraus mitnehmen
Der Wert liegt nicht darin, schnell etwas Lauffähiges zu haben. Er liegt darin, die **teuren Fragen früh** zu stellen: Darf ich diese Daten überhaupt nutzen? Funktioniert der Kernmechanismus, auf dem alles aufbaut? Was kostet die Alternative wirklich?
Wer diese Fragen an den Anfang stellt, wirft weniger weg.
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*Stand: 26.07.2026*
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