```{=openxml}
<w:p><w:pPr><w:pStyle w:val="Author"/></w:pPr><w:r><w:t xml:space="preserve">Obeco GmbH · Arenberger Str. 230A · 56077 Koblenz</w:t></w:r></w:p><w:p><w:pPr><w:pStyle w:val="Author"/></w:pPr><w:r><w:t xml:space="preserve">Telefon +49 (0)261 963 44660 ·
[email protected]</w:t></w:r></w:p>
```
Zusammenfassende Darstellung des Batteriespeicher-Systems: Aufbau, Steuerung,
Schutzfunktionen, Wirtschaftlichkeit und Weiterentwicklung. Die Notiz verdichtet die
Detaildokumentation aus `30 Energie/01 Marstek Speicher` auf die Ebene, die für das
Verständnis des Gesamtsystems nötig ist; Konfigurationsdetails stehen in der jeweiligen
Einzelnotiz.
**Abgrenzung:** Home Assistant als Plattform, Photovoltaik-Erzeugung und Netzanschluss
werden **separat** dokumentiert – siehe „Systemgrenzen".
# Das System auf einen Blick
| Merkmal | Ausprägung |
|---|---|
| Speicher | 3× Marstek Venus E v3, je 5 kWh → **15 kWh brutto** |
| Nutzbar | **13,2 kWh** – 1,8 kWh (≈ 12 %) müssen im Akku verbleiben (Tiefentladeschutz) |
| Kopplung | AC-gekoppelt, Anbindung über Modbus TCP (natives Ethernet) |
| Ladeleistung | 3 × 1.650 W = **4,95 kW** (je Gerät gedrosselt, Überhitzungsschutz) |
| Steuerung | Omnibattery (Home-Assistant-Integration) – in Betrieb seit 22.06.2026 |
| Strombezug | Dynamischer Stundentarif, preisgeführtes Laden und Entladen |
| Erzeugung | Balkonkraftwerk 1,6 kW (Deckung des Tagesbedarfs, PV-Überschuss hat Ladevorrang) |
| Gemessene Effizienz | **77,9 %** Round-Trip über 597 kWh Ladeenergie |
Das System verbindet **eigene Erzeugung, Speicher und dynamischen Strombezug** zu einem
preisgeführten Energiemanagement: Der Speicher wird bevorzugt aus PV-Überschuss geladen,
ergänzend aus dem Netz – aber nur in den günstigsten Stunden und nur, solange sich das
gemessen an der Speicherverlusten rechnet.
# Aufbau
## Speicher und Messtechnik
Drei baugleiche AC-gekoppelte Speicher arbeiten parallel. AC-Kopplung bedeutet: Die Geräte
hängen nicht am Gleichstromkreis der PV-Anlage, sondern am Hausnetz – sie sind damit
unabhängig von Wechselrichter und Erzeugung und können ebenso Netzstrom speichern.
Die Ladeleistung ist je Gerät auf 1.650 W begrenzt. Das ist eine bewusste Drosselung unter
den technisch möglichen Wert, um Überhitzung zu vermeiden – in Summe stehen dennoch 4,95 kW
zur Verfügung, was den typischen Ladebedarf in unter einer Stunde deckt.
Ein CT-Stromsensor erfasst die Stromflüsse zwischen Erzeugung, Speicher und Hausverbrauch
und liefert die Messgröße, auf der die Regelung aufsetzt.
## Nutzbare Kapazität
Von 15 kWh Bruttokapazität stehen **13,2 kWh** tatsächlich zur Verfügung. Die Reserve von
1,8 kWh (≈ 12 %) verbleibt dauerhaft im Akku; eine tiefere Entladung würde die Zellen schädigen.
Diese Unterscheidung ist für jede Auslegungsrechnung wesentlich – gerechnet wird mit der
nutzbaren, nicht mit der Bruttokapazität.
# Steuerung
## Zentrale Regelung
Die Steuerung übernimmt **Omnibattery**, eine Home-Assistant-Integration, die die Speicher
direkt über Modbus TCP anspricht. Sie stimmt Erzeugung, Speicher, Hausverbrauch und
Netzbezug aufeinander ab. Wesentliche Funktionen im Betrieb:
| Funktion | Wirkung |
|---|---|
| **Zero-Export-Regelung** | Regelkreis (~2,5 s Zyklus), der den Austausch mit dem öffentlichen Netz minimiert – erzeugter Strom bleibt im Haus |
| **Preisgeführtes Laden** | Wertet täglich die Stundenpreise aus und wählt die günstigsten Stunden zur Netzladung |
| **Multi-Batterie-Management** | Lastverteilung über alle drei Speicher nach Ladestand |
| **Zellausgleich** | Regelmäßige Vollladung zum Balancieren der LFP-Zellen |
Die Integration hat **zwei Vorgängerlösungen abgelöst**: eine ältere Modbus-Integration und
eine Node-RED-basierte Energiefluss-Automatisierung. Das Ergebnis ist eine Steuerung statt
dreier nebeneinander laufender Teillösungen.
## Ergänzende Lade-Sperre
Eine eigene Automation schaltet Lade- und Entlade-Erlaubnis der drei Speicher zusätzlich
nach dem **Preisniveau** des Stromtarifs. Die Entscheidungslogik ist bewusst gestaffelt:
| Priorität | Bedingung | Wirkung |
|---|---|---|
| 1 | Aktiver Zellausgleich (je Speicher geprüft) | Der betroffene Speicher wird **ausgenommen** – der Ausgleichsvorgang darf nicht unterbrochen werden. Die übrigen laufen normal weiter. |
| 2 | PV-Überschuss (Einspeisung über 2 Min. stabil) | Laden **frei**, Entladen gesperrt – eigener Strom hat Vorrang vor jeder Preislogik |
| 3 | Preisniveau günstig (unterhalb der Schwelle) | Laden **frei**, Entladen gesperrt |
| 4 | sonst | Entladen **frei**, Laden gesperrt |
**Bemerkenswert an der Umsetzung:** Geschaltet wird nur, was sich tatsächlich ändert – die
Automation berechnet vorab die Abweichung vom Zielzustand. Ohne gültigen Preis und ohne
PV-Überschuss erfolgt **keine** Änderung, statt in einen Standardzustand zu fallen.
## Schwellwerte aus Messdaten statt aus dem Bauchgefühl
Die Erkennungsschwelle für PV-Überschuss (±100 W, 2 Minuten stabil) wurde **aus Messdaten
hergeleitet**: Die Auswertung von 50.000 Messwerten zeigte, dass 70 % aller Werte im Bereich
±50 W liegen – reines Messrauschen. Von den negativen Werten waren 68 % kleiner als −50 W und
damit kein echter Überschuss. Die gewählte Kombination aus Schwellwert und Verzögerung
eliminiert rund **74 % der Fehlauslösungen**. Bewusst nicht weiter verschärft – strengere
Werte hätten die Reaktion verzögert, ohne nennenswert mehr Fehlauslösungen zu verhindern.
## Rückfallebene
Da die Steuerungs-Integration aktiv weiterentwickelt wird, ist ein **dokumentierter Notfallweg**
vorgesehen: Bei Ausfall wird die Integration deaktiviert und die Speicher werden über die
Hersteller-App in den herstellereigenen Automatikmodus versetzt, in dem der CT-Sensor die
Regelung übernimmt. Der Rückweg ist ebenso beschrieben. Das System bleibt damit auch dann
betriebsfähig, wenn die zentrale Steuerung ausfällt.
# Schutz und Überwachung
| Funktion | Status |
|---|---|
| **Temperaturschutz** | Übernimmt seit 12.07.2026 die Steuerungs-Integration. Die zuvor eigenständige Automation (Abschaltung > 40 °C, Reaktivierung < 35 °C) ist **außer Betrieb** und nur noch als Referenz dokumentiert. |
| **Alarm bei negativer AC-Leistung** | **Aktiv.** Meldet, wenn ein Speicher länger als 2 Minuten negative Leistung ausweist. Nach Erholung greift eine 45-minütige Sperrzeit, um Alarmserien bei Schwankungen um die Nullgrenze zu vermeiden. |
Die Sperrzeit gilt bewusst **gemeinsam** für alle drei Speicher statt je Gerät – eine
Vereinfachung, die in Kauf nimmt, dass die Erholung eines Speichers die Meldung für die
anderen mit unterdrückt.
# Wirtschaftlichkeit
## Wann sich Netzladen rechnet
Beim Laden und Entladen geht Energie verloren. Die **gemessene** Round-Trip-Effizienz über
597 kWh Ladeenergie beträgt **77,9 %** – ermittelt aus den Lade- und Entladezählern der
Geräte, nicht aus Herstellerangaben.
Daraus folgt der Break-Even: Netzladen lohnt sich nur, wenn der Ladepreis unter 77,9 % des
späteren Entladepreises liegt.
| Später entladen bei… | Laden lohnt sich bis… |
|---|---|
| normalem Preisniveau (~33 ct) | **25,7 ct/kWh** |
| hohem Preisniveau (~38 ct) | 29,6 ct/kWh |
| sehr hohem Preisniveau (~54 ct) | 42,1 ct/kWh |
**Wichtige Unterscheidung:** Der Break-Even gilt **nur fürs Laden**. Ist der Speicher einmal
gefüllt, sind die Ladekosten versunken – ihn zu nutzen ist dann fast immer günstiger als
Netzbezug. Die Lade-Sperre entscheidet daher bewusst **nicht** anhand des Break-Even über das
Entladen, sondern rein nach dem aktuellen Preisniveau. Diese Trennung ist eine der zentralen
Erkenntnisse aus der Auswertung.
## Betriebsergebnis (34 Tage, Juni–Juli 2026)
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| ⌀ PV-Ertrag | 8,86 kWh/Tag |
| ⌀ verbleibender Netzbedarf | 1,42 kWh/Tag |
| ⌀ Ladezeit aus dem Netz | **0,65 h/Tag** (≈ 40 Minuten) |
| ⌀ Preis im gewählten Ladefenster | **21,3 ct/kWh** |
An **14 von 34 Tagen** war überhaupt kein Netzbezug nötig – die Erzeugung deckte den
Tagesbedarf vollständig. Der erreichte Ladepreis von 21,3 ct liegt deutlich unter dem
Break-Even von 25,7 ct: **Das Laden im Optimumfenster rechnet sich durchgehend.**
Die Auswertung der Preisverteilung über 748 Stunden zeigt zugleich, wie eng das Fenster ist:
Nur in rund **einer von vier Stunden** lag der Preis in der Ladezone unter 26 ct; in 65 % der
Zeit lohnte sich ausschließlich das Entladen.
## Kostenbasis je Speicher
Zusätzlich wird für jeden Speicher fortlaufend **der tatsächliche Einkaufspreis der
gespeicherten Energie** geführt (ct/kWh). Entscheidend dabei: Nur der **Netzbezugsanteil**
einer Ladung zählt als Kosten – aus PV geladene Energie ist kostenlos. Der Anteil wird aus
dem Verhältnis von Netzbezug zu gesamter Ladeleistung im Moment der Ladung bestimmt.
Zwei Gestaltungsentscheidungen prägen die Umsetzung:
- **Bewusst unabhängig von der Steuerungs-Integration.** Die Buchhaltung nutzt ausschließlich
native Gerätesensoren, keine Entitäten der Drittanbieter-Integration. Sie bleibt damit auch
gültig, wenn die Steuerung getauscht wird.
- **Selbstkorrigierend statt mitgezählt.** Als Bezugsgröße dient der Live-Ladestand des
Geräts, kein eigener Zähler. Ein eigener Zähler würde über die Zeit driften; der
Gerätewert kalibriert sich beim Zellausgleich selbst nach.
Die Buchhaltung ist aktiv und wurde live verifiziert: Während eines Ladevorgangs mit ~987 W
Ladeleistung, aber nur ~20 W Netzbezug (überwiegend PV), stieg der Kostenbetrag korrekt nur
um einen Bruchteil – die Trennung zwischen Netz- und PV-Anteil funktioniert.
# Weiterentwicklung
Als Konzept ausgearbeitet, aber **noch nicht umgesetzt**, ist eine vorausschauende
**Füllgrad-Planung**. Sie soll die heutige, rein preisniveaubasierte Steuerung um zwei
Größen ergänzen:
1. **Kostenbasis-Abgleich** – laden und entladen anhand des tatsächlichen Einkaufspreises je
Speicher statt nur anhand des Preisniveaus.
2. **Ziel-Füllgrad über den Tag** – kein konstantes „möglichst voll", sondern ein Füllstand,
der sich am Restbedarf bis zum nächsten günstigen Ladefenster und an der PV-Prognose
orientiert. Deckt die Prognose den Restbedarf, wird der Zielwert abgesenkt statt teuer
nachgeladen.
Der Ansatz ist bewusst als **Ergänzung** statt als Ersatz gedacht: Die feste Preisschwelle
der bestehenden Steuerung würde durch einen dynamischen Zielwert abgelöst, die Automation
selbst bliebe erhalten.
# Systemgrenzen
Bewusst **nicht** Gegenstand dieses Dokuments:
| Bereich | Wo dokumentiert |
|---|---|
| Home Assistant als Plattform, Zigbee, Sensorik, Betriebsführung | eigene Systemdokumentation (`20 Software/Home Assistant`) |
| Photovoltaik, Wechselrichter, Ertragsprognose | `30 Energie/02 Photovoltaik` |
| Stromtarif, Smartmeter, Verbrauchsauswertung | `30 Energie/04 Strombezug` |
| Server und Netzwerk | `10 Hardware` |
# Stand und offene Punkte
**Stand:** Das System ist produktiv. Steuerung, Lade-Sperre, Kostenbuchhaltung und der
Alarm bei negativer AC-Leistung laufen; die Wirtschaftlichkeit ist über 34 Betriebstage
belegt.
**Offene Punkte:**
- Die Füllgrad-Planung ist Konzept und nicht implementiert. Vor der Umsetzung ist zu klären,
ob die Ladestandssensoren die Brutto- oder die nutzbare Kapazität melden – davon hängt die
Berechnung des Ziel-Füllgrads ab.
- Die Entscheidungslogik, die die geführte Kostenbasis tatsächlich nutzt, ist noch nicht
spezifiziert. Bislang ist der Wert reine Transparenz.
- Die Lade-Sperre führt weiterhin den abgelösten Temperatur-Alarm als höchste Priorität.
Da die zugehörige Automation außer Betrieb ist, läuft diese Bedingung ins Leere; der
Temperaturschutz erfolgt jetzt in der Steuerungs-Integration. Die Prüfung sollte bei
nächster Gelegenheit bereinigt werden.
- Einzelne Funktionen der Steuerung sind noch nicht konfiguriert (u. a. verzögertes Laden
bei guter Solarprognose, wöchentliche Vollladung, Lastspitzenkappung).